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Übergewicht und Hungersnot

 

Insbesondere Übergewicht ist meiner Erfahrung nach ein sehr komplexes Thema, bei dem mehrere verschiedene mögliche unbewusste Ursachen infrage kommen und meist auch mehrere Ursachen gleichzeitig zutreffen.

 

Im Sommer diesen Jahres habe ich in einem Artikel ja bereits über eine mögliche Ursache berichtet (falls du den Artikel noch mal lesen möchtest oder noch nicht kennst, findest du ihn hier).


Neben der möglichen frühkindlichen Prägung, sich schutzlos, alleine, von der Mutter im Stich gelassen zu fühlen, kann eine weitere Ursache sein, dass die Person in irgendeiner Form die unbewusste Information gespeichert hat, dass es besser für ihr Überleben ist, Reserven anzulegen.

Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn jemand der Vorfahren verhungert/verdurstet oder fast verhungert/verdurstet ist, zum Beispiel in Kriegsgefangenschaft.

Diese Prägung muss allerdings nicht immer nur bei den Ahnen vor über 70 Jahren zu finden sein.

Eine junge Frau kam unter anderem wegen ihrem Übergewicht zu mir. Sie ist Anfang der 1980er Jahre geboren, die dritte von vier Töchtern, wobei die vierte Tochter deutlich jünger ist. Die Klientin wuchs also hauptsächlich mit zwei Schwestern auf.

Bei der Ursachenforschung nach erlebten Stressiutationen rund um das Thema Übergewicht erzählte sie, dass sie und ihre beiden Schwestern als Kinder nie essen und trinken durften, wann sie es wollten, sondern ausschließlich, wenn die Eltern, hier besonders die Mutter, es erlaubten. Eines Tages stand eine Kiste mit Limo in der Küche. Als die Mutter nach Hause kam, fehlte ein Schluck aus einer Flasche. Die Mutter fragte daraufhin, wer das gewesen sei. Aus Angst vor den Konsequenzen antwortete keines der Kinder. Daraufhin zerrte die Mutter die drei Schwestern aus dem Haus in den Hühnerstall, wo die Kinder im Winter bei Eiseskälte mehrere Stunden ausharren mussten. Irgendwann sei die Mutter wieder in den Hühnerstall gekommen und habe noch mal gefragt, wer den Schluck Limo aus der Flasche getrunken habe. Die Klientin wollte die Situation auflösen und fragte ihre Mutter, was denn mit derjenigen passieren würde. Ohne ein Wort zu antworten, packte die Mutter die Klientin am Arm, zerrte sie wieder ins Haus, wo die Klientin als Strafe geschlagen wurde.

 

Ähnliche Vorfälle gab es zuhauf; meist im Zusammenhang mit Essen und Trinken. Die Kinder mussten oft Hunger und Durst aushalten; Essen und Trinken wurde streng rationiert und Verstöße wurden hart bestraft.

Also ist es aus der Sichtweise des Biologischen Dekodierens durchaus möglich, dass sie bzw. ihr Körper die Prägung bekommen hat, besser Wasser- und Fettreserven anzulegen, damit sie nicht noch mal in solch einen furchtbaren Stress kommt, Hunger oder Durst erleiden zu müssen. Für den Notfall legt ihr Körper entsprechende Reserven an.

Darüber berichtete sie in unserem Gespräch, dass sie zu Hause stets große Lebensmittelvorräte hortet, was sie selbst nicht verstehen würde. Sie erzählte von regelrechten Hamsterkäufen und dass sie einen Großteil der Lebensmittel irgendwann wieder weg wirft, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum schon länger überschritten ist. Sie könne das aber nicht abstellen; es sei wie ein Zwang.

Auch dies kann eine unbewusste Reaktion auf die damals, in ihrer frühen Kindheit erlebten „Hungersnöte“ sein.

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