Heuschnupfen - Fallbeispiel

Andreas, 33 Jahre alt, kam im Juni 2018 in meine Praxis wegen seiner Allergie gegen Gräser und Pollen.

 

Gegen was genauer allergisch war, konnte er nicht benennen. Die Allergie habe er seit ungefähr drei Jahren. Es beginnt jedes Jahr im Juni und seine Symptome waren eine ständig entweder verstopfte oder laufende Nase, Niesanfälle und tränende Augen.

Bei der Ursachenforschung, warum sein System eine Abwehrreaktion entwickelt hatte, wurden wir schnell fündig:

Drei Jahre zuvor, im Juni, verstarb seine Oma. Sie wurde über 80 Jahre alt, war bereits längere Zeit sehr krank und der Tod war für sie eine Erlösung. Zur Oma hatte er ein sehr gutes Verhältnis. Er beschrieb sie als sehr lieb und meistens gut gelaunt.

Als Andreas davon erzählte, fiel mir auf, dass er aufgrund seiner Allergie im Gesicht aussah, wie jemand typischerweise aussieht, der kurz zuvor viel geweint hat: Augen leicht gerötet/wässrig, Nase zu, die typische Atmung und diese typische „verschnupft“ klingende Aussprache.

 

 

 

Seine Symptome traten zum ersten Mal kurz nach dem Tod der Oma auf und seitdem jedes Jahr ab Juni.

Ich fragte ihn, ob er geweint habe, als seine Oma starb. Er meinte, er sei, was Gefühle betrifft, im Allgemeinen eher „dürftig“ unterwegs, könne Gefühle nicht so gut zeigen.

Als Hausaufgabe bekam er, einen Brief an seine Oma zu schreiben und sich dort alles von der Seele zu schreiben, was er der Oma gerne sagen würde, wenn er könnte.

Im Juli fand der zweite Termin statt. Andreas erzählte, dass die Allergie bereits seit dem ersten Termin verschwunden war.

Den Brief hatte er geschrieben.

Die Gräser und Pollen haben ihn jedes Jahr ab Juni wieder an den Tod der Oma und seine unterdrückte Trauer erinnert.